Ach Kindergarten

…was mach‘ ich nur mit dir? In dir passieren so seltsame Dinge. In dir arbeiten so seltsame Menschen. Du kannst ja nichts dafür, du stehst da ja auch nur so rum und lässt dich von unzähligen Kinderfüßen niedertrampeln. Aber du bist geduldig und lässt sie einfach machen. Die Menschen, die in dir werkeln sind nicht so wie du. Sie sind…seltsam.

Die Tochter wirft seit Neuestem mit Sätzen um sich, die mich verunsichern. Die Freundin hat also vor Ort mal nachgefragt, ob dieses Problem bekannt ist. Natürlich nicht. Ganz im Gegenteil verstieg sich die Leiterin der Einrichtung noch zu der Aussage, dass man doch letztlich auch konsequent sein müsse. Mir erschließt sich der Zusammenhang zwischen Konsequenz und einem Kind das Alleinsein (in diesem Fall im Bad) anzudrohen allerdings nicht so richtig. Vielleicht bin ich in Sachen Pädagogik aber auch nicht up to date. Stattdessen habe ich Puls.

Anderen Eltern ist das Problem im Übrigen nicht ganz so unbekannt. In diesem Fall geht es allerdings um das dunkle Zimmer. Hier steigt mein Puls dann leider in Richtung „gewalttätige Auseinandersetzung“. Entschuldigung, ich bin so konfliktunfähig. Muss an meiner Erziehung liegen. Weiter im Text.

Leider sind diese Begebenheiten nicht die einzigen Mankos an unserem Kindergarten. Ein Beispiel. Ich hole meine Tochter ab. Der Flur ist übersäht mit spielenden Kindern, darunter natürlich auch meines, das sich mit einer kleinen Handtasche beschäftigt. Die Erzieherin (stellv. Einrichtungsleiterin) erblickt mich und versucht, meinem Kind die Tasche aus der Hand zu reißen (!). Offenbar sprang in ihrem Hirn gleich der Trigger an: Vater da, Kind bin ich los. Jetzt kann man sich ungefähr vorstellen, wie ein knapp dreijähriges Kind darauf reagieren wird. Richtig: es weint. Nun könnte man als pädagogisch ausgebildete Person auf die Idee kommen…na gut, eigentlich nicht…sonst hätte sie ihr als erstes die Tasche nicht entreißen wollen. Statt sich also zu entschuldigen und einfach mal die verdammte Ruhe zu bewahren, nennt sie mein Kind daraufhin „Zicke“, da es die Tasche einfach nicht loslassen will. Ich schaue mir den Vorgang an. Und sage nichts. Ich Idiot. Es macht mich noch mehr zum Idioten, da meine Tochter nicht das erste Mal so genannt wurde. Meine graue Masse lässt ja merklich nach, also habe ich den Duden konsultiert und nein, „Zicke“ kann man nicht liebevoll oder als „nicht so gemeint haha“ verwenden. Es ist und bleibt ein Schimpfwort.

Im Nachgang operiere ich innerlich die Faust aus ihrem Gesicht und frage mich, warum ich eigentlich meinen Mund nicht auf bekomme. Allerdings ist da auch das Problem, dass ich recht schnell überreagiere und das auf keinen Fall dazu führen darf, dass meiner Tochter zukünftig Nachteile im weiteren Kindergartendasein entstehen.

Haben Sie grad gesagt, mein Kind ist schuld?

Könnte man meinen, wenn sie ein Arschloch wäre. Ist sie aber nicht. Sie ist keine drei Jahre alt und schon jetzt ein sozialeres Wesen als ich je sein könnte. Ein nicht mal drei Jahre altes Kind ist und kann keine Zicke sein. Wenn ERZIEHERINNEN so sprechen und ich davon ausgehen muss, dass sie auch dementsprechend handeln, dann sind schlichtweg sie das Problem und nicht die Kinder. So richtig absurd wird es dann übrigens noch, wenn sie sich im Gespräch mit Kollegen über die Unfähigkeit von diesem und jenem auslassen.

So. Und jetzt?

Sonst schick ich dich ins Bad!

Die Tochter spricht. Überraschung. Ihre auch? Schön. Die Tochter spricht aber auch Dinge aus, die wir ihr nicht beigebracht haben. Überraschung Nummer 2. Diese Dinge machen uns allerdings ein paar Sorgen, denn sie stammen eindeutig aus dem Kindergarten. Sie stammen aber nicht von anderen Kindern, sondern ganz offensichtlich von den Erzieherinnen und Erziehern. Was jetzt schlimm daran ist?

„Wenn du …, dann schick ich dich ins Bad!“
„Wenn du …, dann gehst du ins dunkle Zimmer!“

Es gibt noch weitere derartige Sätze, aber gerade letzterer erzeugt bei mir einiges Kopfzerbrechen. Sie nahm mich in diesem Moment übrigens an die Hand und brachte mich ins unbeleuchtete Schlafzimmer, hat mich stehen lassen und die Tür von außen geschlossen. Gelinde gesagt, bin ich etwas in Sorge über diesen Vorgang. Die Sätze lassen sich auch ziemlich leicht „triggern“, denn sie werden immer abgespult, wenn wir mit der Tochter schimpfen (müssen). Schimpfen ist jetzt natürlich kein Paradebeispiel für unsere pädagogische Kunst, allerdings lassen wir nur bei absolutem Kontrollverlust über uns selbst „Wenn…, dann…“-Konstruktionen folgen. Wir haben es schließlich mit einem Kleinkind zu tun.

Leider bekommen wir das Kind nicht dazu, zu verlautbaren, welche/r Erzieher/in sich so äußert. Wir haben da aber einen Verdacht.

Es sind die kleinen Dinge

Ja wirklich, es sind die kleinen Dinge, die das Leben lebenswert machen. Man spürt sich dann selbst und so. Kleine Dinge wie eine Zahnbürste beispielsweise. Die machen das Leben so lebenswert. Dieses drecks verfickten Scheißdinger!

Lebenswert? Ich hör‘ wohl nicht richtig. Dieses gottverdammte Ding macht jeden Morgen und jeden Abend zu Hölle. Ich höre mich bitten, betteln, drohen, schreien, diskutieren und auch sonst alles, was man so zur Selbstverstümmelung und Offenbarung väterlicher Uneignung tun kann. Ich versuch’s wirklich, ja ernsthaft, aber kann das Kind nicht einfach mal mitmachen? Es ist doch jeder Abend gleich, Rituale eben. Waschen, Zähneputzen, Sandmann. Das kann doch nicht so schwer sein? Das Kind aber guckt lieber dahin und dorthin und fängt an zu reden oder wegzurennen oder es will gar nicht erst putzen, sondern lieber gleich Sandmann. „Aber danach Zähneputzen!“ „Ja.“ Nix ja. Das Kind hat gelogen. Danach weiß es nämlich gar nicht mehr, dass die Zähne auf dem allabendlichen Programm stehen. Es will dafür lieber sofort an Ort und Stelle sterben und alle Nachbarn sollen es hören.

Zur Deeskalation machen wir es nun gemeinsam. Sie und ich halten die Zahnbürste gleichzeitig fest. So funktionert es etwas besser, bis sie wieder dahin und dorthin guckt und anfängt zu reden. Wegrennen will sie zum Glück seitdem weniger und ich muss meine Horrorvision nicht mehr ertragen, in der sie fällt und sich das Scheißteil durch den Hinterkopf rammt.

Es sind doch nur zwei Minuten, die sie ruhig sitzen muss und dann geht’s weiter im abendlichen Programm. Das ist doch nicht zuviel verlangt? Oder ich entspann‘ mich halt mal. Scheiße noch eins.

Carless Parenting

Attachment Parenting. Unerzogen. Autokratisch. Und jetzt das: Ein neuer Erziehungsstil? Ist es das nächste große Ding? Nein, hören Sie auf zu hyperventilieren, Sie müssen Ihre teuren Erziehungsratgeber nicht entsorgen. Da fehlt ein e. Und das auch noch mit voller Absicht. So ein fehlendes e macht viel aus: Alles dauert nun etwas länger. Vielleicht aber auch nicht.

Das Familienauto war ein Arschloch und eigentlich ständig kaputt. Meist passierte das, wenn sich die finanzielle Lage etwas entspannt hatte und wir an ganz andere Dinge dachten als mal wieder hunderte Euro in vier Räder zu stecken. Als mich die Freundin aber vor Kurzem anrief und das Ding auf der Autobahn stehen bleiben wollte, fassten wir recht schnell den Entschluss, dieses nervige Gefährt aus unserem Leben zu verbannen. Und was soll ich sagen? Wir vermissen es nicht. Ich fahre Rad, Straßenbahn und Bus, in dieser Reihenfolge. Der Rest der Familie macht das jetzt auch. Autofahren in Dresden und seiner gnadenlos rückständigen Verkehrsinfrastruktur macht sowieso keinen Spaß. In der Straßenbahn geht mich all das nichts an. Stattdessen lese ich innerhalb weniger Wochen bereits das dritte Buch. Das gleiche „Pensum“ habe ich sonst mehrere Jahre gebraucht.

Wie die Auswirkungen auf unsere Tochter aussehen? Für sie und ihren Tagesablauf ist es eine kleine Umstellung, da sie nun etwas früher aufstehen muss. Als Entschädigung winken aber Bus und Bahn. Sie liebt Bus und Bahn. Zugegeben wird es früh manchmal stressig, aber bisher macht sie gut mit. Für mich bedeutet das hin und wieder auch, dass wir uns noch eine Weile aneinander kuscheln können. Ich auf zwei Beinen, sie in der Manduca.
Nach rund drei Wochen sind uns keine gravierenden Nachteile im Leben ohne Auto aufgefallen. Da mich Autofahren seit jeher furchtbar aggressiv macht, ist es für mich noch eher so etwas wie eine Therapie. Supermärkte, Ärzte, Behörden, Kindergärten, Schulen etc. pp. finden sich in unmittelbarer Nähe zu unserem Wohnort und selbst die Innenstadt ist bei Bedarf in wenigen Minuten erreichbar. Da will man zwar nicht hin, aber wenn, dann ist man auch ganz fix wieder da weg.

Jetzt kann natürlich nicht jeder von heute auf morgen auf sein Fahrzeug verzichten und auch wir starten nicht komplett autofrei in die Zukunft. Hin und wieder werden wir uns ein bei Oma & Opa vorhandenes Fahrzeug ausleihen und auch der nächstgelegene Fahrzeugverleih durfte uns bereits als Kunden begrüßen. Das alles wird sich aber auf wenige Male im Jahr beschränken und weit weniger Geld und Nerven kosten als bisher. Am Ende lässt sich die Freundin sogar noch zum Zugfahren überreden. Wir werden sehen.

Achso, damit hier auch ein würdiger Abschluss steht: Unser Lebensstil ist viel besser als eurer! Ätschibätsch!

So macht man das doch in diesen Elternbloggerkreisen?

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