Schreib‘ was Lustiges

Ja, los, schreib‘ doch mal was Lustiges. Ich will nicht. Ich kann nicht. 2016 nervt mich extrem, sowohl im Großen als auch im Kleinen. Die Arbeit? Ach geh‘ mir weg. Einen Arbeitgeber so ganz ohne Anstand und Kenntnis von Arbeitsrecht findet man selten. Vielleicht mal ein Danke? Wo denkst du hin…

Meine Karriere als Vater? Nüscht. Alles Mist. Hab‘ ich hier ja schon geschrieben. Besser ist es nicht geworden, stattdessen schleicht sich die Arbeit immer mehr in mein Leben ein. Aber ein Glück gibt’s von Frau Schwesig bald Familiengeld. Darauf habe ich so sehr gewartet. Jetzt muss sie mir nur noch die Liste mit den Arbeitgebern schicken, bei denen ich ohne Probleme meine Stunden reduzieren kann. 300€, Freunde der Sonne…aber über den Mindestlohn müssen sich heute ja eh schon mehr als genug Leute freuen. Aber hey, deutscher Arbeitnehmer, du hast auch nicht zu Hause zu bleiben. Du hast zu arbeiten, du Sack. Baby? Wie Baby? Das macht Nestlé schon. Brust ist igitt, die braucht man nicht.

Aber es ist ja nicht alles schlecht. Wir ziehen nämlich um. Die Wohnung ist groß und dazu gehört ein Garten. Und kaum freut man sich, kommt die olle Nieselpriem um die Ecke.

Nein. Das Jahr kann weg. Besser heute als morgen. Der Sommer ist ja sowieso für die Katz.

Energiekrise

Mama! Hinlegen, zudecken…Ball…Baby…Trinken…Schaukeln…Kinderwagen…Bauen…Buch…Paaapppaaa…Nein…Body…Schlafanzug…Neeeiiinnnn…Leoni…Löwe…

Das hältst du ja im Kopf nicht aus. Und in den Beinen erst recht nicht. Wir haben ja schon den Mittagsschlaf gekürzt und an manchen Tagen fällt er ganz aus. Das Kind schläft aber einfach nicht ein! Verdammte Axt. Frische Luft hilft übrigens überhaupt nicht, nur dass das mal klar ist. Sie können auch gern versuchen, einem Zappelphilipp ein Buch vorzulesen, aber spätestens bei Satz drei müssen Sie die nächste Geschichte anfangen. So sieht’s nämlich aus. „Ihr müsst ein Ritual schaffen“. Schnauze! Entschuldigung, aber ich morde gleich mal rituell, wenn ich das noch einmal höre oder lese.

Wir sitzen nun im Schnitt bis 22 Uhr im weiten Rund unseres Salons und versuchen allerlei Überredungskünste, um die Tochter zum Schlafen zu bringen. Das funktioniert so ungefähr 15 Minuten und dann geht die Schlafzimmertür wieder auf und es tippelt im Flur. „Haaallo Papiii!“. Ja, nein. Geh‘ weg. Frau Mama ist auch hellauf begeistert, vor allem da das Kind am nächsten Morgen nicht unbedingt gut drauf sein muss. Da kann man schon mal unhöflich werden.

Aber! Es gibt Hoffnung.

Mich.

*Supermanmusik ertönt

Die Lösung heißt: Arbeit. Ja, richtig gehört. Arbeit. Wie? Ich sei verrückt geworden? Wo denken Sie hin. Jeder muss zum Haushaltseinkommen beitragen, sag‘ ich immer. Jedenfalls kennen Sie ja bestimmt diese neumodischen Diskos, die ihren Strom durch das Gezappel der Anwesenden produzieren. Da liegt es doch nahe, so etwas auch im Kindergarten unterzubringen. Wo bitte wird mehr gezappelt als dort? Wie das das Schlafproblem löst? Vermutlich gar nicht. Darum geht’s doch hier auch überhaupt nicht. Kümmern Sie sich gefälligst selbst. Muss ich ja auch.

So, also, niemand will Windräder neben seinem Haus. Und das Dorf wegbaggern ist auch nicht so beliebt. Solarenergie verbraucht Unmengen an Fläche. Warum also nicht mal wirklich alternativ denken? Unorthodox. Ludere et labora (Lateinnote: nicht teilgenommen), sozusagen. Das hat ganz wunderbare Effekte für Sie als Eltern und dieses Dings, Deutschland:

  1. Die Energiewende wird auch für die Kleinsten erlebbar
  2. Mothorik und Co. werden gefördert
  3. Sinkende Gebühren durch Einspeisevergütung
  4. Ein vielleicht völlig fertiges, nach Schlaf bettelndes Kind

Sie mögen das jetzt unmoralisch finden, aber mal ehrlich, ohne Kinderarbeit wären wir ja nicht da, wo wir jetzt sind. Und wie meine Mutter immer über schlimme Mode sagt: Alles kommt wieder. Es sieht letztlich auch nicht wie Arbeit aus. Das ist doch sowieso der heißeste Scheiß. Apple und Google machen das mit ihren Campussen auch. Alles ist miteinander vermischt und so kommt es den Sklaven Angestellten nicht so schlimm vor, dass sie nach dem Einkauf gleich wieder ins Büro hüpfen können um noch mehr zu arbeiten. Groovy. Wissen Sie, was noch super ist? Gewerkschaften. Die gibt es bei Kindern nicht. Eigentlich gibt es die schon, es interessiert nur niemanden. Großartig!

Bilden Sie sich aber bloß nicht ein, Sie könnten meine Idee einfach so klauen. Die ist patentiert!

Geht so – mehr nicht

Die Tochter umarmt mich und lacht. Das ist schön. Ich weiß nur nicht warum. Vielleicht wohnt so einem Kind eine permanente natürliche Liebe für die eigenen Eltern inne, denn an meinem Dasein und Tun als Vater kann es in letzter Zeit nicht gelegen haben. Ich fühle mich schlecht. Mir ist schlecht.

Seit ich meinen Arbeitgeber gewechselt habe, geht es mit dem Vatersein bergab. Musste ich zunächst drei Monate in der Ferne verbringen, so sind es jetzt ständige Überstunden oder gar Auslandsaufenthalte, die mich von meiner Tochter fern halten. Ich bin unfassbar genervt von dieser Situation. Das schlimmste daran sind die direkten und indirekten Auswirkungen auf meine Tochter. Ich bin launisch, strenger als notwendig, ungeduldig und was weiß ich noch. Ich verliere ihre Bedürfnisse aus den Augen und bin kaum noch in der Lage zu begreifen, dass ihr Blick auf die Welt ein ganz anderer ist als der meine. Sie nimmt mir, scheint’s, trotzdem nichts übel. Ich ihr dagegen schon. Denn ich will meine Ruhe.

Nicht vor ihr.

Sie fährt in der Wohnung mit ihrem Laufrad. Das Puppenbaby muss mit und zwar genau jetzt. Sie brüllt. Ich weiß nicht, wie das Baby auf dem Laufrad sitzen soll und klemme es irgendwie fest. Sie schreit weiter. Um mich unter Kontrolle zu bringen, frage ich meine Freundin, wie das Baby sitzen muss. Sie zupft es zurecht und die Tochter ist zufriedengestellt. Muss ich erwähnen, dass ich keinen Unterschied zu vorher erkennen kann? Ich schaue aus dem Fenster und frage mich, ob ich bescheuert bin.

Während des Abendbrots klimpert sie mit dem Geschirr, schmiert ihren Joghurt quer über den Tisch und reagiert auf so gut wie keine Aufforderung, es einfach sein zu lassen. Warum sollte sie auch? Ihr macht es Spaß. Mir nicht. Ich will auf irgendetwas mit den Fäusten einschlagen. Es ist kein Boxsack in der Nähe und so versuche ich mich selbst zu beruhigen und würge meinen Frust hinunter. Ich weiß, wozu dieses Runterschlucken führen wird. Vielleicht hat all das aber auch gar nichts damit zu tun, dass ich einen neuen Job habe. Vielleicht stört mich mein eigenes Ich und die Unfähigkeit, mit Veränderungen umzugehen. Vielleicht ist es etwas ganz anderes. Vielleicht auch nicht. Väterliche Sinnkrise.

Wobei es nicht nur das Dasein als Vater sondern auch das als Freund und Partner betrifft. Den Kleiderschrank der Tochter füllt die Freundin. Den Medikamentenschrank füllt die Freundin. Die Termine der Tochter überwacht die Freundin. Überhaupt würde hier vieles ohne sie nicht laufen. Vielleicht aber schon, wenn ich einfach machen würde. Es nervt. Unsere Tochter hält sich auch lieber an ihre Mama, was mir einerseits Freiheiten, andererseits stete Qual bringt. Hier, Kind, ich kann dir auch helfen! Scheiße noch eins. Wie immer bringen die beiden Damen vom Wunschkind Licht ins Dunkel, wenn es um die Beziehung zum Papa geht. Ich find’s trotzdem zum Kotzen und finde es gleichzeitig angenehm. Der Verdacht, ich stehle mich schleichend aus der Verantwortung ist da nicht weit. Und trifft von Zeit zu Zeit auch zu. Eigentlich aber auch nicht, ich gebe nur auf. Ich höre nicht hin, ich schaue nicht zu.

Alles in Allem bin ich Durchschnitt. Der eigene Maßstab hält dem selbstverordneten Anspruch nicht stand. Der Witz an der Geschichte? Ich möchte noch mehr Kinder.

Ich schaue aus dem Fenster und sehe meine Tochter auf dem Fußweg sitzen. Als sie mich erblickt, lacht sie und winkt. Vielleicht ist es Durchschnitt+.

Die Eule

Die Eule ist ein gar lustig Tier. Zwei Beine, zwei Flügel und ein kleiner mit allerlei lauten Lauten gesegneter Schnabel. Es kann vorkommen, dass so ein Laut so laut ist, dass man kurz aus den Ohren blutet und nicht mehr weiß, wo man ist. Meist ist die Eule im Krawallmodus, wenn sie mit Wasser bespritzt wird oder ihr Gefieder gänzlich waschen muss. Kommt noch eine Ente vorbei, dann ist in der Pfütze Achterbahn.

Die Eule, wissenschaftlich Schlafus Spätus, findet man auf fast allen Kontinenten. Am ausgeprägtesten sind ihre Eigenschaften in der Zeit zwischen 70 und 100 cm. Der Schnabel ist meist offen und lautiert vor sich hin. Ein Beispiel: „Kaddaddadadddaaaattzzzzii“ Die Fachfrau/Der Fachmann hat es natürlich längst erkannt, es handelt sich um eine Katze. Die Fertigstellung des Wortes kann im eulerschen Rachen gern bis zu 60 Sekunden in Anspruch nehmen. Nichtzuhören sollte man vermeiden, sonst kommt es zu mehrfachen Wiederholungen. Theoretisch ist der Teil des Gehirns, in welchem sich das Gehörzentrum befindet, sehr gut ausgeprägt. Praktisch wurde diese Theorie jedoch von allen Nicht-Juvenilen für zu simplifiziert befunden.

Die Eule zählte einst zu den Raubvögeln und so verwundert es nicht, dass offen sichtbares Futter dem sofortigen Verzehr unterliegen kann. Davon ist auch das oben angesprochene „Kaddaddadadddaaaattzzzzii“ betroffen, dessen Trockenfüllung auf der Speisekarte der Eule auftauchen kann. Vorrangig ernährt sie sich allerdings von Obst der Gattung Banane und cremig gerührtem Joghurt aus Bioproduktion. Diese monothematische Verpflegungsart hat für die Nestbetreuer zu kosteneffizienten Versorgungsstrukturen geführt (oder auch „Dasche off und alles rein!“).

Erlangt die Eule gegen 22 Uhr ihren Ruhemodus, so schläft sie bevorzugt in vertikaler Horizontalität vulgo „irgendwie so“. Die Nestbetreuer haben gegebenenfalls in unterstützender Lage zu verharren. Es empfiehlt sich daher, auf ausreichend vorhandene Bauch- und Rückenmuskulatur zu achten. Im Interesse auch im Alter gesicherter Vollzahnigkeit sollte ein Integralhelm im Nachttisch verankert werden.

Die Eule hat einen natürlichen Feind: Die Lerche. In unserem Hause ist diese nicht anzutreffen und würde gegebenenfalls in die Obhut eines Bäckers übergeben.

Nicht mit mir

Dieser Beitrag wird hemmungslos Werbung enthalten! Mehrfach. Für nur ein Produkt. Das sei gesagt, damit hier dann keiner rumheult, ich schleiche Werbung. Diese Familienblogger sind da ja ganz gefährlich drauf.

Nun zum Thema. Vielleicht erinnern Sie sich noch an das Protokoll aus der Hölle? Ja? Prima, es ist nämlich wieder soweit. Aber, um die Pointe gleich mal vorweg zu nehmen: Ich habe gesiegt! Kein Würgen, kein Spucken und erst recht keine Porzellanveredelung. Es ist fast ganz traumhaft. Angefangen hat es vor einer Woche, just da das Minikind den zweiten Jahrestag seines Erscheinens begehen sollte. Laut Kinderaufbewahrungsanstalt hatte Magen-Darm aber etwas dagegen und so (z)erbrach die Planung. Höhö. Natürlich musste es auch dieses Mal mitten in der Nacht sein, denn sonst macht’s ja keinen Spaß.

Es ergab sich aber just in dieser Zeit, dass die Freundin ein Produkt namens Mutaflor ins Haus geschleppt hatte, um da mal etwas zu probieren. Das Zeug ist probiotisch und kann die Ansiedlung „gesundheitsfördernder Bakterien“ unterstützen. Lesen Sie einfach selbst (Werbung!). Die Freundin und ich begannen umgehend mit der Therapie, da wir ja nur ein Badezimmer haben. Das arme Minikind dagegen musste leiden und einem leidenden Kind zuzusehen ist nichts für schwache Nerven. Der Kinderarzt musste besucht und eine Betreuung für die Woche organisiert werden. Da ich von meiner Firma eine derart empathische Antwort auf die Aussage, wenigstens zwei Tage nicht auf Arbeit erscheinen zu können, erhielt, habe ich mich spontan nicht getraut, den eigentlich angedachten dritten eben jener noch fernzubleiben. Ich bin ein richtiger Mann. In der Probezeit. Yeah.

Jedenfalls nahmen wir nun jeden Tag Mutaflor (Werbung ohne Link!) und zeigten Magen-Darm den Mittelfinger. Ich aß sogar von des Kindes Löffel. Stellen Sie sich das vor, wie so ein Irrer. Es lief ganz prima, zumindest so ungefähr bis Mittwoch. Die Freundin wollte sich auf Grund meiner Feigheit um die Tochter kümmern, äußerte aber den Verdacht, dass sie den Kampf verloren haben könnte. Mutaflor (schon wieder Werbung) hilft also offenbar nicht jedem. Mir aber schon. Höhö.

Seit dem Besuch beim Kinderarzt kratzt allerdings mein Hals so eigenartig. Es könnte Männergrippe sein.

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