Plauz, Schrei, Kleb

Haben Sie in letzter Zeit mal den Verbandskasten in Ihrem Auto/Ihrer Wohnung kontrolliert? Sind da Pflaster drin und wenn ja, sind die noch gut? Pflaster sind wichtig. Hingefallen? Pflaster drauf. Dummes Zeug gelabert? Pflaster drauf. Auto geschrottet? Pflaster drauf. Meine Tochter bspw. kann derzeit ohne Pflaster gar nicht leben. Im Prinzip bilden diese ein überlebenswichtiges Exoskelett. Man könnte aber auch Stützstrumpf sagen.

Es ist wirklich schlimm. Gelegentlich (selten, fast nie) schaffen wir mehrere Meter am Stück, aber im Regelfall verbringen wir mehr Zeit mit Aufheben, Blut abwischen und Trösten. So ein Fußweg muss eben auch mal gekostet und vermessen werden. Wären da nicht diese fiesen Steine, die sich tief in die Knie bohren würden. Ich selbst kenne das auch. Einst bin ich an der Sandkastenbegrenzung abgerutscht und konnte zum Schluss bis auf meine Kniescheibe gucken. Es war ganz super! Die Tochter jedenfalls fährt nun auch verstärkt Laufrad und da wir jetzt an einem Hang wohnen, dürfte sich der Pflasterverbrauch noch steigern. Allerdings ist das Kind auch umweltbewusst und nutzt die Dinger ausdauernd. Pflaster abmachen? Ja sorry, aber ist nicht. Es sei denn, die Nachbarn sollen denken, dass Kind würde regelmäßig einem Exorzismus unterzogen.

Aktuell bin ich mir allerdings nicht sicher, warum sie Pflaster trägt. Ich werde nachher mal kontrollieren, ob die Kniescheiben noch da sind. Dazu werde ich mit Engelszungen auf sie einreden und evtl. die eine andere Süßigkeit zur Bestechnung springen lassen. Ich will doch nur mal nachschauen, Kind! Bewahr‘ die Ruhe! Nicht? Nein? Dann bleiben die Pflaster eben dran, bis du 18 bist. Erklär doch deinem ersten Freund, was das soll!

Nein, Mama macht!

Ich habe hier nichts zu melden. Und zu tun habe ich auch immer weniger, denn seit Neuestem heißt es hier immer „Nein, Mama macht!“. Windeln wechseln, Zähne putzen, Badewanne…nein, Mama macht. Ich darf die Tochter wenigstens noch ins Bett schmeißen. Doch doch, dass ist genauso gemeint, wie ich es da steht. So eine Rabaukin will es eben auch am Abend hart und funsportig.

Jedenfalls bin ich jetzt fast arbeitslos. Ab und zu fällt die Murmel aber auch in das andere Loch und wenn ich dann fünf Mal gefragt habe, darf ich doch. Juchhei. Ausgetrickst. Was die kann, kann ich schon lange. Und der Frau Mama verschafft es mal eine kurze Atempause, bevor sie wieder zu machen hat. Schuhe anziehen beispielsweise. Oder gleich wieder ausziehen beispielsweise. Des Beispiels Weise ist es aber manchmal auch, dass sie der Tochter dann doch gleich wieder andere Schuhe anziehen muss. Sie kennen das vielleicht aus ihrem eigenen Leben? Schuhe zum Aufsprühen sollte es geben. Überhaupt sollte es mehr Dinge geben, die man auf ein Kind aufsprühen kann. Klebeband über den Mund oder so. Oder man klebt es mal für eine halbe Stunde an die Wand, damit man Staubsaugen kann. Das Kuscheltier kann man ja daneben kleben, damit es nicht wie Misshandlung aussieht.

Im Übrigen muss die Mama nicht nur immerzu machen, sondern auch ständig greifbar sein. Meine Wenigkeit reicht da nicht aus. Wehe, Frau Mama verschwindet mal im Keller. Schlimmer noch: sie könnte im Nebenzimmer sein! Neeeeiiinnnnnn. Maaammmaaaaaaaaaa! Sie muss darüber hinaus auch alles wissen und im Zweifel Hellsehen können. Manchmal, aber wirklich nur manchmal, will die Tochter nämlich wissen, was der Papa macht.

Schreib‘ was Lustiges

Ja, los, schreib‘ doch mal was Lustiges. Ich will nicht. Ich kann nicht. 2016 nervt mich extrem, sowohl im Großen als auch im Kleinen. Die Arbeit? Ach geh‘ mir weg. Einen Arbeitgeber so ganz ohne Anstand und Kenntnis von Arbeitsrecht findet man selten. Vielleicht mal ein Danke? Wo denkst du hin…

Meine Karriere als Vater? Nüscht. Alles Mist. Hab‘ ich hier ja schon geschrieben. Besser ist es nicht geworden, stattdessen schleicht sich die Arbeit immer mehr in mein Leben ein. Aber ein Glück gibt’s von Frau Schwesig bald Familiengeld. Darauf habe ich so sehr gewartet. Jetzt muss sie mir nur noch die Liste mit den Arbeitgebern schicken, bei denen ich ohne Probleme meine Stunden reduzieren kann. 300€, Freunde der Sonne…aber über den Mindestlohn müssen sich heute ja eh schon mehr als genug Leute freuen. Aber hey, deutscher Arbeitnehmer, du hast auch nicht zu Hause zu bleiben. Du hast zu arbeiten, du Sack. Baby? Wie Baby? Das macht Nestlé schon. Brust ist igitt, die braucht man nicht.

Aber es ist ja nicht alles schlecht. Wir ziehen nämlich um. Die Wohnung ist groß und dazu gehört ein Garten. Und kaum freut man sich, kommt die olle Nieselpriem um die Ecke.

Nein. Das Jahr kann weg. Besser heute als morgen. Der Sommer ist ja sowieso für die Katz.

Energiekrise

Mama! Hinlegen, zudecken…Ball…Baby…Trinken…Schaukeln…Kinderwagen…Bauen…Buch…Paaapppaaa…Nein…Body…Schlafanzug…Neeeiiinnnn…Leoni…Löwe…

Das hältst du ja im Kopf nicht aus. Und in den Beinen erst recht nicht. Wir haben ja schon den Mittagsschlaf gekürzt und an manchen Tagen fällt er ganz aus. Das Kind schläft aber einfach nicht ein! Verdammte Axt. Frische Luft hilft übrigens überhaupt nicht, nur dass das mal klar ist. Sie können auch gern versuchen, einem Zappelphilipp ein Buch vorzulesen, aber spätestens bei Satz drei müssen Sie die nächste Geschichte anfangen. So sieht’s nämlich aus. „Ihr müsst ein Ritual schaffen“. Schnauze! Entschuldigung, aber ich morde gleich mal rituell, wenn ich das noch einmal höre oder lese.

Wir sitzen nun im Schnitt bis 22 Uhr im weiten Rund unseres Salons und versuchen allerlei Überredungskünste, um die Tochter zum Schlafen zu bringen. Das funktioniert so ungefähr 15 Minuten und dann geht die Schlafzimmertür wieder auf und es tippelt im Flur. „Haaallo Papiii!“. Ja, nein. Geh‘ weg. Frau Mama ist auch hellauf begeistert, vor allem da das Kind am nächsten Morgen nicht unbedingt gut drauf sein muss. Da kann man schon mal unhöflich werden.

Aber! Es gibt Hoffnung.

Mich.

*Supermanmusik ertönt

Die Lösung heißt: Arbeit. Ja, richtig gehört. Arbeit. Wie? Ich sei verrückt geworden? Wo denken Sie hin. Jeder muss zum Haushaltseinkommen beitragen, sag‘ ich immer. Jedenfalls kennen Sie ja bestimmt diese neumodischen Diskos, die ihren Strom durch das Gezappel der Anwesenden produzieren. Da liegt es doch nahe, so etwas auch im Kindergarten unterzubringen. Wo bitte wird mehr gezappelt als dort? Wie das das Schlafproblem löst? Vermutlich gar nicht. Darum geht’s doch hier auch überhaupt nicht. Kümmern Sie sich gefälligst selbst. Muss ich ja auch.

So, also, niemand will Windräder neben seinem Haus. Und das Dorf wegbaggern ist auch nicht so beliebt. Solarenergie verbraucht Unmengen an Fläche. Warum also nicht mal wirklich alternativ denken? Unorthodox. Ludere et labora (Lateinnote: nicht teilgenommen), sozusagen. Das hat ganz wunderbare Effekte für Sie als Eltern und dieses Dings, Deutschland:

  1. Die Energiewende wird auch für die Kleinsten erlebbar
  2. Mothorik und Co. werden gefördert
  3. Sinkende Gebühren durch Einspeisevergütung
  4. Ein vielleicht völlig fertiges, nach Schlaf bettelndes Kind

Sie mögen das jetzt unmoralisch finden, aber mal ehrlich, ohne Kinderarbeit wären wir ja nicht da, wo wir jetzt sind. Und wie meine Mutter immer über schlimme Mode sagt: Alles kommt wieder. Es sieht letztlich auch nicht wie Arbeit aus. Das ist doch sowieso der heißeste Scheiß. Apple und Google machen das mit ihren Campussen auch. Alles ist miteinander vermischt und so kommt es den Sklaven Angestellten nicht so schlimm vor, dass sie nach dem Einkauf gleich wieder ins Büro hüpfen können um noch mehr zu arbeiten. Groovy. Wissen Sie, was noch super ist? Gewerkschaften. Die gibt es bei Kindern nicht. Eigentlich gibt es die schon, es interessiert nur niemanden. Großartig!

Bilden Sie sich aber bloß nicht ein, Sie könnten meine Idee einfach so klauen. Die ist patentiert!