Es sind die kleinen Dinge

Ja wirklich, es sind die kleinen Dinge, die das Leben lebenswert machen. Man spürt sich dann selbst und so. Kleine Dinge wie eine Zahnbürste beispielsweise. Die machen das Leben so lebenswert. Dieses drecks verfickten Scheißdinger!

Lebenswert? Ich hör‘ wohl nicht richtig. Dieses gottverdammte Ding macht jeden Morgen und jeden Abend zu Hölle. Ich höre mich bitten, betteln, drohen, schreien, diskutieren und auch sonst alles, was man so zur Selbstverstümmelung und Offenbarung väterlicher Uneignung tun kann. Ich versuch’s wirklich, ja ernsthaft, aber kann das Kind nicht einfach mal mitmachen? Es ist doch jeder Abend gleich, Rituale eben. Waschen, Zähneputzen, Sandmann. Das kann doch nicht so schwer sein? Das Kind aber guckt lieber dahin und dorthin und fängt an zu reden oder wegzurennen oder es will gar nicht erst putzen, sondern lieber gleich Sandmann. „Aber danach Zähneputzen!“ „Ja.“ Nix ja. Das Kind hat gelogen. Danach weiß es nämlich gar nicht mehr, dass die Zähne auf dem allabendlichen Programm stehen. Es will dafür lieber sofort an Ort und Stelle sterben und alle Nachbarn sollen es hören.

Zur Deeskalation machen wir es nun gemeinsam. Sie und ich halten die Zahnbürste gleichzeitig fest. So funktionert es etwas besser, bis sie wieder dahin und dorthin guckt und anfängt zu reden. Wegrennen will sie zum Glück seitdem weniger und ich muss meine Horrorvision nicht mehr ertragen, in der sie fällt und sich das Scheißteil durch den Hinterkopf rammt.

Es sind doch nur zwei Minuten, die sie ruhig sitzen muss und dann geht’s weiter im abendlichen Programm. Das ist doch nicht zuviel verlangt? Oder ich entspann‘ mich halt mal. Scheiße noch eins.

Carless Parenting

Attachment Parenting. Unerzogen. Autokratisch. Und jetzt das: Ein neuer Erziehungsstil? Ist es das nächste große Ding? Nein, hören Sie auf zu hyperventilieren, Sie müssen Ihre teuren Erziehungsratgeber nicht entsorgen. Da fehlt ein e. Und das auch noch mit voller Absicht. So ein fehlendes e macht viel aus: Alles dauert nun etwas länger. Vielleicht aber auch nicht.

Das Familienauto war ein Arschloch und eigentlich ständig kaputt. Meist passierte das, wenn sich die finanzielle Lage etwas entspannt hatte und wir an ganz andere Dinge dachten als mal wieder hunderte Euro in vier Räder zu stecken. Als mich die Freundin aber vor Kurzem anrief und das Ding auf der Autobahn stehen bleiben wollte, fassten wir recht schnell den Entschluss, dieses nervige Gefährt aus unserem Leben zu verbannen. Und was soll ich sagen? Wir vermissen es nicht. Ich fahre Rad, Straßenbahn und Bus, in dieser Reihenfolge. Der Rest der Familie macht das jetzt auch. Autofahren in Dresden und seiner gnadenlos rückständigen Verkehrsinfrastruktur macht sowieso keinen Spaß. In der Straßenbahn geht mich all das nichts an. Stattdessen lese ich innerhalb weniger Wochen bereits das dritte Buch. Das gleiche „Pensum“ habe ich sonst mehrere Jahre gebraucht.

Wie die Auswirkungen auf unsere Tochter aussehen? Für sie und ihren Tagesablauf ist es eine kleine Umstellung, da sie nun etwas früher aufstehen muss. Als Entschädigung winken aber Bus und Bahn. Sie liebt Bus und Bahn. Zugegeben wird es früh manchmal stressig, aber bisher macht sie gut mit. Für mich bedeutet das hin und wieder auch, dass wir uns noch eine Weile aneinander kuscheln können. Ich auf zwei Beinen, sie in der Manduca.
Nach rund drei Wochen sind uns keine gravierenden Nachteile im Leben ohne Auto aufgefallen. Da mich Autofahren seit jeher furchtbar aggressiv macht, ist es für mich noch eher so etwas wie eine Therapie. Supermärkte, Ärzte, Behörden, Kindergärten, Schulen etc. pp. finden sich in unmittelbarer Nähe zu unserem Wohnort und selbst die Innenstadt ist bei Bedarf in wenigen Minuten erreichbar. Da will man zwar nicht hin, aber wenn, dann ist man auch ganz fix wieder da weg.

Jetzt kann natürlich nicht jeder von heute auf morgen auf sein Fahrzeug verzichten und auch wir starten nicht komplett autofrei in die Zukunft. Hin und wieder werden wir uns ein bei Oma & Opa vorhandenes Fahrzeug ausleihen und auch der nächstgelegene Fahrzeugverleih durfte uns bereits als Kunden begrüßen. Das alles wird sich aber auf wenige Male im Jahr beschränken und weit weniger Geld und Nerven kosten als bisher. Am Ende lässt sich die Freundin sogar noch zum Zugfahren überreden. Wir werden sehen.

Achso, damit hier auch ein würdiger Abschluss steht: Unser Lebensstil ist viel besser als eurer! Ätschibätsch!

So macht man das doch in diesen Elternbloggerkreisen?

Plauz, Schrei, Kleb

Haben Sie in letzter Zeit mal den Verbandskasten in Ihrem Auto/Ihrer Wohnung kontrolliert? Sind da Pflaster drin und wenn ja, sind die noch gut? Pflaster sind wichtig. Hingefallen? Pflaster drauf. Dummes Zeug gelabert? Pflaster drauf. Auto geschrottet? Pflaster drauf. Meine Tochter bspw. kann derzeit ohne Pflaster gar nicht leben. Im Prinzip bilden diese ein überlebenswichtiges Exoskelett. Man könnte aber auch Stützstrumpf sagen.

Es ist wirklich schlimm. Gelegentlich (selten, fast nie) schaffen wir mehrere Meter am Stück, aber im Regelfall verbringen wir mehr Zeit mit Aufheben, Blut abwischen und Trösten. So ein Fußweg muss eben auch mal gekostet und vermessen werden. Wären da nicht diese fiesen Steine, die sich tief in die Knie bohren würden. Ich selbst kenne das auch. Einst bin ich an der Sandkastenbegrenzung abgerutscht und konnte zum Schluss bis auf meine Kniescheibe gucken. Es war ganz super! Die Tochter jedenfalls fährt nun auch verstärkt Laufrad und da wir jetzt an einem Hang wohnen, dürfte sich der Pflasterverbrauch noch steigern. Allerdings ist das Kind auch umweltbewusst und nutzt die Dinger ausdauernd. Pflaster abmachen? Ja sorry, aber ist nicht. Es sei denn, die Nachbarn sollen denken, dass Kind würde regelmäßig einem Exorzismus unterzogen.

Aktuell bin ich mir allerdings nicht sicher, warum sie Pflaster trägt. Ich werde nachher mal kontrollieren, ob die Kniescheiben noch da sind. Dazu werde ich mit Engelszungen auf sie einreden und evtl. die eine andere Süßigkeit zur Bestechnung springen lassen. Ich will doch nur mal nachschauen, Kind! Bewahr‘ die Ruhe! Nicht? Nein? Dann bleiben die Pflaster eben dran, bis du 18 bist. Erklär doch deinem ersten Freund, was das soll!

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